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Zwei chinesische Märchen

Nin Jon Ch’ao La Tzu

Zutaten für 4 Personen:
500 g Schweinefleisch (oder Poulet), fein geschnitten
6 Knoblauchzehen, gepresst
5 dl Bouillon
2 Esslöffel Maizena
2 Esslöffel Soya
1 dl Wasser
2 Peperoni (gelb und rot), grob geschnitten
1 Stück frischen Ingwer (daumengross), gerieben
1 Peperoncino
Salz und Pfeffer

Zubereitung:
Das Fleisch mit dem gepressten Knoblauch in Öl anbraten.
Salz, Pfeffer und 3 dl Bouillon beigeben und köcheln lassen.
In der Zwischenzeit das Maizena mit dem Soya in 1 dl Wasser einrühren.
Nach 10 – 15 Minuten die Peperonistücke, den geriebenen Ingwer, den geschnittenen Peperoncino sowie die Maizena-Soya-Mischung zum Fleisch geben und wieder zum Köcheln bringen. Nach Bedarf die restliche Bouillon hinzu geben und etwa 5 Minuten fertig garen.

Als Beilagen eignen sich Reis oder chinesische Nudeln.

Dieses Rezept wurde uns zusammen mit der nachstehenden Fabel vor vielen Jahren von einer Schweizer Bekannten in Japan übergeben.

 

 

funs-tiger

Der Fuchs und der Tiger

Der Fuchs begegnete einst einem Tiger. Der zeigte ihm die Zähne, streckte die Krallen hervor und wollte ihn fressen.
Der Fuchs sprach: »Mein Herr, Ihr müßt nicht denken, daß Ihr allein der Tiere König seid. Euer Mut kommt meinem noch nicht gleich. Wir wollen zusammen gehen, und Ihr wollet Euch hinter mir halten. Wenn die Menschen mich sehen und sich nicht fürchten, dann mögt Ihr mich fressen.«

Der Tiger war’s zufrieden, und so führte ihn der Fuchs auf eine große Straße. Die Wanderer nun, wenn sie von fern den Tiger sahen, erschraken alle und rannten sogleich weg.
Da sprach der Fuchs: »Was nun? Ich ging voran; die Menschen sahen mich und sahen Euch noch nicht.«
Da zog der Tiger seinen Schwanz ein und lief weg.
Der Tiger hatte wohl bemerkt, daß die Menschen sich vor dem Fuchse fürchteten, doch hatte er nicht bemerkt, daß der Fuchs des Tigers Furchtbarkeit entlehnt hatte.

Man muss nicht nach China reisen um den sprichwörtlichen „Fuchs im Schatten eines Tigers“ zu treffen: Eine Person, die sich „mit fremden Federn schmückt“.

Bildquelle – Prof. Gu, Sheng-Qing

Entengeschichten

fuligulesFoto Marianne C. Briner Lavater, 18. Oktober 2014

Entenmärchen:

Die Enten an der Schnur
Münchhausen
„Während der Jagd bemerkte ich eines schönen Morgens ein paar Dutzend Wildenten, die friedlich auf einem kleinen See herum schwammen. Hätte ich eine Ente geschossen, wären die anderen davon geflogen, und das wollte ich natürlich nicht. Da kam mir ein guter Gedanke. Ich dröselte eine lange Hundeleine auf, verknotete die Teile, so dass sie nun viermal so lang war wie vorher, und band an einem Ende ein Stückchen Schinkenspeck fest, das von meinem Frühstück übriggeblieben war.
Dann versteckte ich mich im Schilf und warf vorsichtig meine Leine aus. Schon schwamm die erste Ente herbei und verschlang den Speck. Da er sehr glatt und schlüpfrig war, kam er bald, samt dem Faden, an der Rückseite der Ente wieder heraus. Da kam auch schon die nächste Ente angerudert und verschlang das Speckstückchen. Auch bei ihr tauchte es kurz darauf hinten wieder auf, und so ging es weiter! Der Speck machte seine Reise durch alle Enten hindurch, ohne dass die Leine riss, und sie waren daran aufgereiht wie die Perlen an einer Schnur.
Ich zog meine Enten an Land, schlang die Leine sechsmal um mich herum und ging nach Hause. Die Enten waren sehr schwer, und ich war schon recht müde, da begannen die Enten, die ja alle noch lebendig waren, plötzlich mit den Flügeln zu schlagen und stiegen in die Luft! Mit mir! Denn ich hatte ja die Leine um mich herumgewickelt! Sie schienen zu dem See zurückfliegen zu wollen, aber ich benutzte meine langen Rockschöße als Ruder, und so mussten die Enten umkehren. Ich steuerte sie landeinwärts bis wir nicht mehr weit von meiner Wohnung waren. Nun drehte ich der ersten Ente den Hals um, dann der zweiten, schließlich einer nach der andern und so sank ich, sanft und langsam, auf mein Haus herunter, mitten durch den Schornstein und haargenau auf den Küchenherd, wo die Enten ja hinsollten. Mein Koch staunte nicht schlecht.  Zu meinem Glück brannte auf dem Herd noch kein Feuer. Sonst hätte es womöglich Münchhausenbraten gegeben, statt Entenbrust mit Preiselbeeren!“

Die goldene Ente (Deutsche Volksmärchen aus Schwaben) bei Zeno