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Heinrich Heines Sehnsucht nach Sauerkraut

Weitere Leibspeisen:

Von Köllen war ich drei Viertel auf acht
Des Morgens fortgereiset;
Wir kamen nach Hagen schon gegen drei,
Da ward zu Mittag gespeiset.

Der Tisch war gedeckt. Hier fand ich ganz
Die altgermanische Küche.
Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut,
Holdselig sind deine Gerüche!

Gestovte Kastanien im grünen Kohl!
So aß ich sie einst bei der Mutter!
Ihr heimischen Stockfische, seid mir gegrüßt!
Wie schwimmt ihr klug in der Butter!

Jedwedem fühlenden Herzen bleibt
Das Vaterland ewig teuer –
Ich liebe auch recht braun geschmort
Die Bücklinge und Eier.

Wie jauchzten die Würste im spritzelnden Fett!
Die Krammetsvögel, die frommen
Gebratenen Englein mit Apfelmus,
Sie zwitscherten mir: »Willkommen!«

»Willkommen, Landsmann« – zwitscherten sie –,
»Bist lange ausgeblieben,
Hast dich mit fremdem Gevögel so lang
In der Fremde herumgetrieben!«

Es stand auf dem Tische eine Gans,
Ein stilles, gemütliches Wesen.
Sie hat vielleicht mich einst geliebt,
Als wir beide noch jung gewesen.

Sie blickte mich an so bedeutungsvoll,
So innig, so treu, so wehe!
Besaß eine schöne Seele gewiß,
Doch war das Fleisch sehr zähe.

Auch einen Schweinskopf trug man auf
In einer zinnernen Schüssel;
Noch immer schmückt man den Schweinen bei uns
Mit Lorbeerblättern den Rüssel.
Quelle: Deutschland. Ein Wintermärchen

café-jostyC
Paul Hoeniger: „Im Café Josty„, 1890, (via Wikimedia.Commons).
In dieser Berliner Konditorei verkehrte auch Heinrich Heine.

Im hungrigen Magen Eingang finden
nur Suppenlogik mit Knödelgründen,
nur Argumente von Rinderbraten,
begleitet mit Göttinger Wurstzitaten.
Ein schweigender Stockfisch, in Butter gesotten,
behaget den radikalen Rotten
viel besser als ein Mirabeau
und alle Redner seit Cicero.
Quelle: Politische Nachlese, Die Wanderratten

Zu Tisch bei Goethe

kueche-goethehausBlick in die Küche in Goethes Gartenhaus in Weimar
(Foto Marianne C. Briner Lavater, 26. August 2016)

„Ich liebe, zu tafeln am lustigen Ort,
Ich kost und ich schmecke beim Essen.“

Goethe hat zwar kein Kochbuch hinterlassen, aber einige seiner Lieblingsspeisen sind bekannt. Darunter befindet sich ein Rezept, das Goethes Großmutter Anna Margareta Justina Textor, geborene Lindheimer, 1724 in ihr Kochbuch eingetragen hat: Die „Kleinen Frankfurther Pastetgen„.

Weitere Leibspeisen Goethes seien im Folgenden zusammen getragen (wo möglich verlinkt zu weiterführenden Informationen und/oder entsprechenden Rezepten):

Reissuppe Sacher
(Rinder)Brathen in der Baitz
Frische Rinder- oder Ochsenbrust
Rinderbraten in Sauermilch
Frikadellen
Teltower Rüben
Sardellen-Sauce
Apfelbrey
Kuchen mit versunkenen Kirschen
Schwarze Brodtorte
Frankfurter Chocolade-Crème
Frankfurter Brenten
Bethmännchen