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Robert Walsers Bielersee

terwey-bielerseeJan Pieter Terwey (1883 – 1965), Bielersee (Privatbesitz)
Foto Marianne C. Briner Lavater

„Es ist still, wunderbar still. Der weite See liegt so unbeweglich wie eine Lache Öl. Der Himmel ist in dem See, und der See scheint ein flüssiger, tiefer Himmel. Beide, der See und der Himmel sind ein leichtes träumendes Blau, ein Blau.“
Robert Walser (aus: Fritz Kochers Aufsätze 1904). Quelle: Literaturlandkarten, Schauplatz Bielersee.

Eine Entdeckung wert:
Literaturlandkarten der Schweiz: Streifzüge durch das Land der Dichtung

 

 

Entengeschichten

fuligulesFoto Marianne C. Briner Lavater, 18. Oktober 2014

Entenmärchen:

Die Enten an der Schnur
Münchhausen
„Während der Jagd bemerkte ich eines schönen Morgens ein paar Dutzend Wildenten, die friedlich auf einem kleinen See herum schwammen. Hätte ich eine Ente geschossen, wären die anderen davon geflogen, und das wollte ich natürlich nicht. Da kam mir ein guter Gedanke. Ich dröselte eine lange Hundeleine auf, verknotete die Teile, so dass sie nun viermal so lang war wie vorher, und band an einem Ende ein Stückchen Schinkenspeck fest, das von meinem Frühstück übriggeblieben war.
Dann versteckte ich mich im Schilf und warf vorsichtig meine Leine aus. Schon schwamm die erste Ente herbei und verschlang den Speck. Da er sehr glatt und schlüpfrig war, kam er bald, samt dem Faden, an der Rückseite der Ente wieder heraus. Da kam auch schon die nächste Ente angerudert und verschlang das Speckstückchen. Auch bei ihr tauchte es kurz darauf hinten wieder auf, und so ging es weiter! Der Speck machte seine Reise durch alle Enten hindurch, ohne dass die Leine riss, und sie waren daran aufgereiht wie die Perlen an einer Schnur.
Ich zog meine Enten an Land, schlang die Leine sechsmal um mich herum und ging nach Hause. Die Enten waren sehr schwer, und ich war schon recht müde, da begannen die Enten, die ja alle noch lebendig waren, plötzlich mit den Flügeln zu schlagen und stiegen in die Luft! Mit mir! Denn ich hatte ja die Leine um mich herumgewickelt! Sie schienen zu dem See zurückfliegen zu wollen, aber ich benutzte meine langen Rockschöße als Ruder, und so mussten die Enten umkehren. Ich steuerte sie landeinwärts bis wir nicht mehr weit von meiner Wohnung waren. Nun drehte ich der ersten Ente den Hals um, dann der zweiten, schließlich einer nach der andern und so sank ich, sanft und langsam, auf mein Haus herunter, mitten durch den Schornstein und haargenau auf den Küchenherd, wo die Enten ja hinsollten. Mein Koch staunte nicht schlecht.  Zu meinem Glück brannte auf dem Herd noch kein Feuer. Sonst hätte es womöglich Münchhausenbraten gegeben, statt Entenbrust mit Preiselbeeren!“

Die goldene Ente (Deutsche Volksmärchen aus Schwaben) bei Zeno