Archiv der Kategorie: KomponistInnen

„A Mehlspeis“

Anlass zu diesem Mehlspeis-Beitrag gab das Gedicht von Josef Victor Widmann „Die Mehlspeis'“, eine scherzhafte Hommage an Johannes Brahms.
Das Gedicht folgt gleich nach dem Youtube-Film „Mehlspeis“, 1934, Musik von Ralph Benatzky, gesungen von Max Hansen, und wurde dem Band „Gedichte“, 1912, entnommen (ein Jahr nach dem Tode Widmanns vom Huber-Verlag herausgegeben).

Film via jonjamg

Die Mehlspeis‘
„Was schaffen S‘ für e Mehlspeis‘, Herr von Brahms?“
Die frische Bauerndirne fragt’s den Meister,
Der hinterm Wirtshaus auf der Apfelwiese
Am Tische sitzt bei seiner Partitur;
(Derselben Partitur, in die das Mädchen –
Wie erst viel später er in Wien entdeckte –
Den eignen Namen kritzlich eingeschmuggelt
In eine Zweiunddreissigstelfigur.)
„Was schaffen S‘ für e Mehlspeis‘, Herr von Brahms?“
Der Tongewalt’ge hebt die klaren Augen.
Und wie das fesche Kind so vor ihm steht
Mit dem „Gesundheitsblick“ der hellen Guckerln,
Den Grübchen in den Wangen und im Kinn, –
„Na ja, Marie!“ so sagt er; „wenn’s was Süsses
Schon sein soll, warum wär’s nicht mal ein Kuss?“
Sie lacht: „E Busserl? Ja, das freili wär‘
E süsse Speis‘ und eine, die schon g’schmalzen
Auch ohne Butter, und die immer fertig;
Man braucht’s nit z’kochen erst; die kocht oft über
Von selber, weil’s halt auch am Feuer steht.“
„Na, also!“ hilft der Meister nach und reckt sich
Schon nach der süssen Speis‘. – Da geht das Pförtchen;
Zwei Freunde nahn, die heute mit ihm speisen.
Marie entweicht. Doch deckt sie dann den Tisch,
Und mit besonderm Lächeln setzt sie später
Die Mehlspeis‘ vor die drei. – Am Nachmittag
Sitzt Brahms – die Freunde haben ihn verlassen –
Allein im kühlen Stübchen über Büchern.
Da kommt die Dirn‘ herein, streicht an den Schränken
Und Truhen hin und her, macht was zu schaffen
Sich an der Kuckucksuhr, und plötzlich fasst sie
Ein Herz sich, wischt das Mäulchen mit der Schürze
Und sagt mit allerliebst verschämtem Lächeln:
„Wie wär’s jetzt mit der Mehlspeis‘, Herr von Brahms?“
Der hebt vom Sessel sich, so rot wie sie
Vor Freud‘ und vor Verlegenheit und sieht
Der Mädchenlippen nahe Purpurknospe. –
„Und selten ward ein Kuss so rein und schön
Und zart gegeben und so süss gekostet
Wie dieser!“ So erzählte später Brahms
Und setzte wohl, halb seufzend, noch hinzu:
„Ja, solche Bauernmädel gibt’s – in Östreich!“

Josef Victor Widmann

Kurz-Biografie von J. V.  Widmann

Eine ausführliche Lebensbeschreibung von J. V. Widmann mit einem Porträt von Ferdinand Hodler finden Sie im Artikel „Der Bund“ zum 100. Todestag des Dichters.

Wikipedia Infos zur Mehlspeise

Eine Mehlspeis gefällig?

 

William Brade (1560 – 1630)

brade

Der um 1560 geborene Engländer verbrachte die meiste Zeit seines Lebens auf dem europäischen Festland:
Von 1594 bis 1596 wird er als Hofmusiker von König Christian IV. von Dänemark erwähnt, ab 1596 war er in brandenburgischen Diensten tätig, von 1608 bis 1610 war er Ratsmusikdirektor in Hamburg und anschließend (1611-1613) am schaumburgischen Hof in Bückeburg aktiv. Von 1613 bis 1615 wieder in der Hamburger Ratskapelle angestellt, später in Gottop, Kopenhagen, Halle und Güstrow tätig, starb er 1630 in Hamburg als geachteter Ratsinstrumentalist.
Graf Ernst zu Holstein-Schaumburg schrieb über Brade, der durch Streikandrohung eine Gehaltserhöhung um 150 % auf 1000 Taler jährlich für sich in Bückeburg durchsetzen wollte, dass er muthwilliger, frevelhaffter Geselle sei und durch sein unruhig Weib angestiftet worden sei.
William Brade hat als Kapellmeister, Geiger, und Komponist in Rathäusern und fürstlichen Hofhaltungen, zumeist in Norddeutschland, mit mehrstimmigen Canzonen und Suiten Gesellschafts- und Tanzmusik komponiert und in mehreren Sammlungen wie Newe auserlesene Paduanen, Galliarden / Canzonen, Allmand vnd Couranten / so zuvor niemals in Truck kommen veröffentlicht. Er war auch ein Gambenvirtuose.
Quellen: Prospero – Forum für alte Musik sowie Wikipedia