Archiv der Kategorie: KomponistInnen

Robert White (1538 – 1574)

Robert White (oder Whyte) wurde wahrscheinlich in Holborn (Distrikt von London) als Sohn eines Orgelbauers geboren und war ein katholischer englischer Komponist, der bekannt ist für seine liturgische Musik zu lateinischen Texten sowie für seine Instrumentalmusik für Viola da gamba. 1560 schloss White nach zehnjährigem Studium seinen Bachelor an der Cambridge University ab. 1567 – 1568 war er Organist an der Chester Cathedral und später offenbar auch an der Westminster Abbey.

Thomas Morley bezeichnete ihn in A Plaine and Easie Introduction to Practicall Musicke (1597) als einen der grössten englischen Komponisten (auf der gleichen Ebene wie Orlando di Lasso).
White und seine ganze Familie kamen 1574 beim Ausbruch der Pest uns Leben.

Ausführliche Würdigung  bei Gimell Records (in englischer Sprache)

 

William Byrd (1543-1623)

William_Byrd

William Byrd wurde um 1543 in Lincolnshire geboren. Über seine Herkunft ist wenig bekannt. Es ist anzunehmen, dass Thomas Tallis den jungen Byrd unterrichtete. Fest steht, dass er 1563 zum Organisten am Dom zu Lincoln ernannt wurde. Dort heiratete er einige Jahre später seine erste Frau Juliana, die noch im gleichen Jahr starb. 1570 wurde er Gentleman in der Londoner Chapel Royal.  Aber erst zwei Jahre später ging er nach London, wo er sich zusammen mit Thomas Tellis das Organistenamt teilte. Trotz der unterschiedlichen Religion – Byrd war bekennender Katholik, Tallis Protestant – verband die beiden eine innige Freundschaft. Byrds Bekenntnis zur römisch-katholischen Kirche hätte zu dieser Zeit der Verfolgung zu Problemen führen können. Sein hohes Ansehen als Musiker und Komponist retteten ihn jedoch vor Übergriffen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Byrd sowohl für die protestantische Chapel Royal als auch für die kleine katholische Gemeinde Englands liturgische Musik schrieb; wie z. B. die Messen für 3, 4 und 5 Stimmen. 1575 verlieh Königin Elisabeth I. Tallis und Byrd für 25 Jahre das alleinige Recht, in England Noten zu veröffentlichen. Gemeinsam gaben sie die Motetten-Sammlung Cantiones Sacrae heraus, die sie der Königin widmeten. Nachdem Tallis 1585 verstorben war, blieb Byrd der alleinige Lizenzhalter. Davon machte er regen Gebrauch und veröffentlichte zwischen 1588 und 1591 mehrere wichtige Werke wie Sonets & Songs . Weiterhin gab er Bücher von Yonges, Watson oder Damons heraus. 1593 zog sich Byrd nach Stondon Massey, unweit von London, zurück, wo er am 4. Juli 1623 starb.
Quelle: klassik.com

Der äusserst vielseitige Byrd schuf auch zahlreiche Kompositionen für Viola da Gamba Consort: Fantasien, Variationen und Tänze sowie „In Nomines“ und – besonders eindrücklich – die späte Pavane und Galliarde (siehe nachstehende Youtube-Aufnahme) für sechs Gamben:

Consort songs mit Emma Kirby:

Mehr zu Byrds Biografie in englischer Sprache bei classical.net

 

Diego Ortiz (circa 1510 – um 1570)

Ortiz

Man nimmt an, dass Diego Ortiz in Toledo geboren wurde und in Neapel starb. Von 1553 an wirkte er am vizeköniglichen Hof in Neapel. Fernando Álvarez de Toledo, 3. Herzog von Alba ernannte ihn zu seinem Kapellmeister (Maestro de Capilla). Auch unter dessen Nachfolger Pedro Afán de Ribera ist er 1565 auf diesem Posten nachweisbar.

Seine Publikationen bestehen aus der Sammlung sakraler Musik, dem Musices liber primus (Venedig 1565), und einer Abhandlung von besonderem Wert über das Spielen der Viola da gamba, dem Tratado de Glosas sobre cláusulas y Otros Géneros de Puntos en La Música de Violones (Rom 1553). Dieses ist eine bemerkenswerte Quelle der Renaissance-Ornamentik und der Improvisationspraxis
(siehe Wikipedia). Etwas ausführlichere biografische Angaben in englischer Sprache online bei der University of Hartford.

 Trattado de glosas online

Christopher Simpson (circa 1605-1669)

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Zusammen mit Jenkins, Lawes, Locke und Hume gehört Christopher Simpson (ca 1605-1669) zu den prominentesten Komponisten des goldenen Zeitalters der englischen Gambenmusik.

Neben Solo- und Duostücken gibt es von Simpson auch reizvolle Consortmusik für Gambe.  So schrieb er mehrere Sammlungen von „Divisions“ für Diskantinstrument, zwei Bassgamben und Generalbass, sowie eine Sammlung von „22 Airs“ für zwei Diskantinstrumente, Bass und Generalbass in der Form von Triosonaten.

„Dieser bescheidene Mensch ist der Verfasser des einzigen Lehrbuches für unser Instrument, das je im Gambenland England verfasst wurde und dazu noch die brillanteste Technik der Gambe, die Improvisation, betrifft.“ (Otterstedt, Die Gambe, S. 54)

Titel dieses Werks: « The Division Viol or, the Art of Playing Ex tempore upon a Ground“ – Die Kunst, aus dem Stegreif auf einen ostinaten Bass zu improvisieren.
Auszüge aus „The Divsion

 simpson-the-division

Literatur:
Annette Otterstedt, Die Gambe, Kulturgeschichte und praktischer Ratgeber (vergriffen)