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Johann Friedrich Ruhe (1699-1776)

Video via Gravi Cembalo

Das Wirken und Leben von Johann Friedrich Ruhe (1699-1776), der zu gleicher Zeit wie Heinrich Rolle in Magdeburg wirkte, ist bisher kaum erforscht. In Halberstadt geboren, war er einige Zeit am Hof in Wolfenbüttel (als Mitglied des Hoforchesters), Braunschweig und während 8 Jahren als Kantor in Halberstadt tätig, bevor er sein Amt als Kapellmeister 1734 im Dom zu Magdeburg antrat. Obwohl er dann 43 Jahre das musikalische Leben der Stadt maßgeblich bestimmte, geriet er nach seinem Tod vollständig in Vergessenheit. Die vier Sonaten für Viola da gamba sind das einzige kompositorische Vermächtnis Ruhes, das erhalten geblieben ist; sie liegen heute in der Greizer Filialsammlung des Thüringischen Staatsarchivs Weimar.

Edition Wahlhall für die Noten

CD mit den Sonaten

„A Mehlspeis“

Anlass zu diesem Mehlspeis-Beitrag gab das Gedicht von Josef Victor Widmann „Die Mehlspeis'“, eine scherzhafte Hommage an Johannes Brahms.
Das Gedicht folgt gleich nach dem Youtube-Film „Mehlspeis“, 1934, Musik von Ralph Benatzky, gesungen von Max Hansen, und wurde dem Band „Gedichte“, 1912, entnommen (ein Jahr nach dem Tode Widmanns vom Huber-Verlag herausgegeben).

Film via jonjamg

Die Mehlspeis‘
„Was schaffen S‘ für e Mehlspeis‘, Herr von Brahms?“
Die frische Bauerndirne fragt’s den Meister,
Der hinterm Wirtshaus auf der Apfelwiese
Am Tische sitzt bei seiner Partitur;
(Derselben Partitur, in die das Mädchen –
Wie erst viel später er in Wien entdeckte –
Den eignen Namen kritzlich eingeschmuggelt
In eine Zweiunddreissigstelfigur.)
„Was schaffen S‘ für e Mehlspeis‘, Herr von Brahms?“
Der Tongewalt’ge hebt die klaren Augen.
Und wie das fesche Kind so vor ihm steht
Mit dem „Gesundheitsblick“ der hellen Guckerln,
Den Grübchen in den Wangen und im Kinn, –
„Na ja, Marie!“ so sagt er; „wenn’s was Süsses
Schon sein soll, warum wär’s nicht mal ein Kuss?“
Sie lacht: „E Busserl? Ja, das freili wär‘
E süsse Speis‘ und eine, die schon g’schmalzen
Auch ohne Butter, und die immer fertig;
Man braucht’s nit z’kochen erst; die kocht oft über
Von selber, weil’s halt auch am Feuer steht.“
„Na, also!“ hilft der Meister nach und reckt sich
Schon nach der süssen Speis‘. – Da geht das Pförtchen;
Zwei Freunde nahn, die heute mit ihm speisen.
Marie entweicht. Doch deckt sie dann den Tisch,
Und mit besonderm Lächeln setzt sie später
Die Mehlspeis‘ vor die drei. – Am Nachmittag
Sitzt Brahms – die Freunde haben ihn verlassen –
Allein im kühlen Stübchen über Büchern.
Da kommt die Dirn‘ herein, streicht an den Schränken
Und Truhen hin und her, macht was zu schaffen
Sich an der Kuckucksuhr, und plötzlich fasst sie
Ein Herz sich, wischt das Mäulchen mit der Schürze
Und sagt mit allerliebst verschämtem Lächeln:
„Wie wär’s jetzt mit der Mehlspeis‘, Herr von Brahms?“
Der hebt vom Sessel sich, so rot wie sie
Vor Freud‘ und vor Verlegenheit und sieht
Der Mädchenlippen nahe Purpurknospe. –
„Und selten ward ein Kuss so rein und schön
Und zart gegeben und so süss gekostet
Wie dieser!“ So erzählte später Brahms
Und setzte wohl, halb seufzend, noch hinzu:
„Ja, solche Bauernmädel gibt’s – in Östreich!“

Josef Victor Widmann

Kurz-Biografie von J. V.  Widmann

Eine ausführliche Lebensbeschreibung von J. V. Widmann mit einem Porträt von Ferdinand Hodler finden Sie im Artikel „Der Bund“ zum 100. Todestag des Dichters.

Wikipedia Infos zur Mehlspeise

Eine Mehlspeis gefällig?