Archiv der Kategorie: Märchen

Entengeschichten

fuligulesFoto Marianne C. Briner Lavater, 18. Oktober 2014

Entenmärchen:

Die Enten an der Schnur
Münchhausen
„Während der Jagd bemerkte ich eines schönen Morgens ein paar Dutzend Wildenten, die friedlich auf einem kleinen See herum schwammen. Hätte ich eine Ente geschossen, wären die anderen davon geflogen, und das wollte ich natürlich nicht. Da kam mir ein guter Gedanke. Ich dröselte eine lange Hundeleine auf, verknotete die Teile, so dass sie nun viermal so lang war wie vorher, und band an einem Ende ein Stückchen Schinkenspeck fest, das von meinem Frühstück übriggeblieben war.
Dann versteckte ich mich im Schilf und warf vorsichtig meine Leine aus. Schon schwamm die erste Ente herbei und verschlang den Speck. Da er sehr glatt und schlüpfrig war, kam er bald, samt dem Faden, an der Rückseite der Ente wieder heraus. Da kam auch schon die nächste Ente angerudert und verschlang das Speckstückchen. Auch bei ihr tauchte es kurz darauf hinten wieder auf, und so ging es weiter! Der Speck machte seine Reise durch alle Enten hindurch, ohne dass die Leine riss, und sie waren daran aufgereiht wie die Perlen an einer Schnur.
Ich zog meine Enten an Land, schlang die Leine sechsmal um mich herum und ging nach Hause. Die Enten waren sehr schwer, und ich war schon recht müde, da begannen die Enten, die ja alle noch lebendig waren, plötzlich mit den Flügeln zu schlagen und stiegen in die Luft! Mit mir! Denn ich hatte ja die Leine um mich herumgewickelt! Sie schienen zu dem See zurückfliegen zu wollen, aber ich benutzte meine langen Rockschöße als Ruder, und so mussten die Enten umkehren. Ich steuerte sie landeinwärts bis wir nicht mehr weit von meiner Wohnung waren. Nun drehte ich der ersten Ente den Hals um, dann der zweiten, schließlich einer nach der andern und so sank ich, sanft und langsam, auf mein Haus herunter, mitten durch den Schornstein und haargenau auf den Küchenherd, wo die Enten ja hinsollten. Mein Koch staunte nicht schlecht.  Zu meinem Glück brannte auf dem Herd noch kein Feuer. Sonst hätte es womöglich Münchhausenbraten gegeben, statt Entenbrust mit Preiselbeeren!“

Die goldene Ente (Deutsche Volksmärchen aus Schwaben) bei Zeno

Die Nachtigall

Divan-of-Hafiz-Nachtigall(Bild: Wiki – Divan of Hafiz)

Des Kaisers Nachtigall
Märchen von Hans Christian Andersen

Zusammenfassung:
Der Kaiser von China lebt mit seinem Hofstaat im Palast, der von einem lieblichen Garten umgeben ist. Bei einem Spaziergang im Park hört er lieblichen Gesang, und als er erfährt, dass es die Nachtigall ist, die im Park so wunderschön singt, befiehlt er, sie auf der Stelle herbei zu schaffen. Doch es ist gar nicht so einfach, seinem Befehl Folge zu leisten, denn von den Höflingen weiß keiner, wo der Vogel ist. Als der Kaiser schließlich mit einer strengen Bestrafung droht, bleibt der Haushofmeister verzweifelt allein im Garten zurück. Doch die kleine Köchin kann dem Haushofmeister weiter helfen und führt ihn zur Nachtigall. Der Kaiser ist vom lieblichen Gesang des Vogels zu Tränen gerührt und befiehlt ihr, von nun an in einem goldenen Käfig im Palast zu wohnen, sehr zum Missfallen seiner Minister, die die Nachtigall um ihre Sonderstellung beneiden. Ein Jahr später herrscht große Aufregung im Palast, denn der Kaiser von Japan hat seinen Besuch angekündigt. Weil angeblich schon ganz Asien davon spricht, dass der Kaiser von China einen kleinen grauen Vogel zu seinem Hofsänger gemacht hat, haben die Japaner als Gastgeschenk eine künstliche Nachtigall mitgebracht.  Die echte Nachtigall wird mit Schimpf und Schande aus dem Palast vertrieben. Als der Kaiser seinen Entschluss bereut, ist es zu spät, denn die Nachtigall hat das Land bereits verlassen. Aus Kummer darüber wird der Kaiser von China schwer krank. Auch die besten Ärzte des Landes können ihm nicht mehr helfen. Zehn Jahre sind vergangen, nun ist es soweit: Der Tod kommt, um den Kaiser zu holen. Die einzige, die sein Leben noch retten kann, ist die Nachtigall. Doch wird sie rechtzeitig kommen?

Lesen Sie hier die ganze Geschichte (Projekt Gutenberg)

Le Rossignol en Amour von François Couperin
(Les musiciens de Saint-Julien)

http://www.youtube.com/watch?v=5RvIpNGIL7g

 

Le Chant du Rossignol von Igor Strawinsky (Dir. Leonard Bernstein):

Geschichte der drei Nüsse

zwerg650Bild: Zwerg (wiki)

„Es war einmal in einem Wald, da lebte ein kleiner Zwerg. Er wohnte unter einem großen Nussbaum in einem schönen Haus, das er selbst gebaut hatte. Und auf dem Baum hatte auch ein Eichhörnchen sein Nest. Im Sommer sprang das Eichhörnchen von Ast zu Ast und spielte mit den Nüssen. Doch auf die schöne Zeit folgten regnerische Tage und der Baum verlor langsam sein Blätterkleid. Dem Eichhörnchen blieb bald kein Dach über dem Kopf mehr. Darum ging es zu dem Zwerg und sagte zu ihm: „Zwerg, Zwerg, nimm mich in deinem Haus auf bis der Frühling kommt.“ Da sagte der Zwerg:

„Gut, komm zu mir. Doch halt, was gibst Du mir dafür?“ Da entgegnete ihm das Eichhörnchen: „Drei Nüsse aus meinem Besitz übergebe ich darin drei geheimnisvolle Rätsel befinden sich. Und siehe ein jeder, der ihr Geheimnis kann entwinden, kein Glücklicherer auf dieser Welt sich wird finden.“ Und so nahm der Zwerg das Eichhörnchen gerne in seinem Haus auf und wie versprochen brachte es dem Zwerg drei Nüsse: Die erste so groß wie eine Erbse, die zweite so groß wie ein Ei und die dritte Nuss war riesengroß, wie eine Pampelmuse. Das Eichhörnchen ermahnte den Zwerg: „Achte gut auf die Nüsse! Es wird der Tag kommen, da werden sie dir hilfreich sein und dann wirst du zu schätzen wissen, dass ich sie dir gegeben habe. …“

Die vollständige Geschichte der drei Nüsse von Lea Goldberg (aus dem Hebräischen übersetzt von Noa Wagner) ist zu finden auf der Website des Orientalischen Seminars der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.