Archiv der Kategorie: Gedichte

Heinrich Heines verliebter Schmetterling

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt
Heinrich Heine (1797-1856)
Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber, goldig zart,
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb euch all:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.

Wilhelm Buschs „Blümlein“

Sie war ein Blümlein
Wilhelm Busch (1832-1908)
Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing.

Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
Und nascht und säuselt da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
Am hübschen Blümlein auf und ab.

Ach Gott, wie das dem Schmetterling
So schmerzlich durch die Seele ging.

Doch was am meisten ihn entsetzt,
Das Allerschlimmste kam zuletzt.
Ein alter Esel fraß die ganze
Von ihm so heißgeliebte Pflanze.

 

 

 

J.G. Herders Lied vom Schmetterlinge

Das Lied vom Schmetterlinge
Johann Gottfried von Herder (1744-1803)
Liebes, leichtes, luftges Ding,
Schmetterling,
Das da über Blumen schwebet,
Nur von Thau und Blüthen lebet,
Blüthe selbst, ein fliegend Blatt,
Das mit welchem Rosenfinger!
Wer bepurpurt hat?

Wars ein Sylphe, der dein Kleid
So bestreut,
Dich aus Morgenduft gewebet,
Nur auf Tage dich belebet;
Seelchen und dein kleines Herz
Pocht da unter meinem Finger,
Fühlet Todesschmerz.

Fleuch dahin, o Seelchen, sey
Froh und frei,
Mir ein Bild, was ich seyn werde,
Wenn die Raupe dieser Erde,
Auch wie du ein Zephyr ist,
Und in Duft und Thau und Honig
Jede Blüthe küßt.

Heinz Erhardts Schmetterling

Der Schmetterling
Heinz Erhardt (1909-1979)
Es war einmal ein buntes Ding,
ein so genannter Schmetterling,
der war ein Falter
recht sorglos für sein Alter.
Er nippte hier und nippte dort,
und war er satt, so flog er fort,
flog zu den Hyazinthen
und guckte nicht nach hinten.
Er dachte nämlich nicht daran,
dass was von hinten kommen kann.
So kam’s, daß dieser Schmetterling
verwundert war, als man ihn fing.